Mehr Saatgut durch Brückenkredite

Von Till Wahnbaeck
April 30, 2022

Natürlich haben wir die geplante 1 Mio € an Investitions-Spenden in diesem Jahr noch nicht eingesammelt. Andererseits warten unsere Ventures dringend auf Geld, um weiter wachsen zu können. Als ich letzte Woche in Nairobi war, haben wir einen guten Weg gefunden, trotzdem ein Venture zu finanzieren. Ich hatte schon einmal von Marbi Agric geschrieben, die kreditfinanziertes Saatgut für Kleinbauern anbieten und dies mit Versicherungspaketen und Gruppenkrediten verbindet, um das Risiko für alle Beteiligten zu minimieren. Bernadette Mwanzas Geschäft wächst schon profitabel (im letzten Jahr sind sie von 3,000 auf 5,000 Kunden gewachsen), und sie hat erste kommerzielle Kredite erhalten – aber ohne Sicherheiten ist bei 10,000 Euro immer Schluss. Also haben wir uns entschieden, ihr ein zinsloses Darlehen von 50,000 Euro über sechs Monate zu gewähren, damit sie damit in die neue Anbauperiode starten kann. Wenn wir in der Zwischenzeit mit unserem Fundraising für sie erfolgreich sind, wandeln wir das Darlehen in eine Beteiligung, also in eine Eigenkapitalinvestition um. Wenn nicht, zahlt sie es im Herbst zurück, und wir zahlen damit die Gehälter unseres Teams. Es bleibt natürlich ein Ausfallrisiko, aber Bernadette hat in den letzten Jahren bewiesen, dass sie hält, was sie verspricht.

Das Schöne an unserem Ansatz ist, dass verschiedene Elemente gut ineinandergreifen, finde ich. Gleich nach Bernadette habe ich Oliver Obwana, den Geschäftsführer von Full Spoon, getroffen: sie produzieren Erdnussbutter in Kleinstgrößen und vertreiben sie in Slums, um damit zu gesunder Ernährung beizutragen (Erdnüsse enthalten ca. 50% Protein). Der Bedarf nach diesen Mini-Größen ist enorm: als meine Kollegin Lynn und ich im November im Kimera-Slum von Nairobi waren, wollten 7 von 10 Kioskbesitzern das Produkt sofort ins Sortiment aufnehmen. Nur hat Oliver ein Cashflow-Problem und kann nur gegen Barzahlung verkaufen; die Kioskbesitzer hingegen brauchen ein bis zwei Wochen, bis sie die Produkte verkaufen und dann auch bezahlen können. Wir haben uns mit Full Spoon auf ein kleines Testbudget von 1,000 Euro geeinigt, mit dem sie längere Zahlungsziele anbieten können. Wenn das in der Tat dazu führt, dass mehr Kiosks das Produkt listen, kommt Marbi Agric ins Spiel: sie liefern Full Spoon Erdnüsse und können durch unseren Kredit in Zukunft etwas länger auf ihr Geld warten, was wiederum Full Spoon hilft, ihren Kunden zu entlasten und so Distribution aufzubauen.
Das Beispiel zeigt übrigens, das jede Spende uns hilft: schon mit 1,000 Euro können wir einem Unternehmen helfen, eine neue Distributions-Strategie zu entwickeln und zu testen. Wen das überzeugt: wir freuen uns über jeden Beitrag (den Spendenlink gibt’s oben in der Bedienungsleiste).

Über Till Wahnbaeck

Till Wahnbaeck
Ex-CEO der Welthungerhilfe und Geschäftsführer in der Privatwirtschaft, Verfechter von Innovation. Till führte sowohl gewinnorientierte Unternehmen als auch gemeinnützige Organisationen und war stets bemüht, die Kluft zwischen sozialem und privatem Sektor zu überbrücken. Als globaler CEO der Welthungerhilfe setzte er sich für Innovation und Wirkung ein. Zuvor entwickelte er als Marketing-, Vertriebs- und Innovationsdirektor für das Konsumgüterunternehmen Procter & Gamble Innovationsmethoden und -prozesse.

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